Alle könnten satt werden

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Die gute Nachricht vorneweg: Der Welthunger ist mathematisch besiegt. Wir produzieren global genug Lebensmittel, um alle Menschen satt zu bekommen. Dennoch hungern Millionen von ihnen oder sind fehlernährt. Über die Hintergründe und inwieweit die ökologische Landwirtschaft einen Ausweg aus dem Dilemma bieten kann, geht Felix zu Löwenstein in seinem neuen Buch „Es ist genug da. Für alle.“ ein.

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Das Thema Welthunger begleitet Felix Löwenstein bereits seit Jahren. Hier erklärt er bei einem Vortrag 2011 mögliche Ursachen.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Im Kampf gegen den Welthunger ist die Ertragssteigerung auf Teufel komm raus oft die Waffe erster Wahl. Man müsse eben noch mehr Lebensmittel herstellen, dann würden auch alle satt werden. Damit einher geht die industrielle Landwirtschaft, die mittels Kunstdünger und Pestiziden der „feindlichen Umwelt“ große Ernten abringen soll. Einerseits verbrauchen wir auf diese Weise unwiederbringlich fossile Ressourcen und auf der anderen Seite schädigen wir das Ökosystem und verlieren wertvolle Ackerböden. Beides können wir uns nicht leisten.

Hunger erzeugt Armut erzeugt Hunger

Neben Kriegen, Naturkatastrophen und mangelhafte Infrastrukturen für Lagerung und Transport ist Armut eine Hauptursache für Hunger. Lebensmittel sind zwar vorhanden, aber unerschwinglich. Felix Löwenstein, Biolandwirt und Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, war mehrere Jahre als Entwicklungshelfer in Haiti tätig. Er selber war dort bestens versorgt. „Dennoch hilft die Nähe zu den betroffenen Menschen zu verstehen, dass die Wirkung von Hunger weit mehr ist als das schmerzhafte Verlangen des Körpers nach Nahrung. Dass er Ausgangs- und Endpunkt fataler Kreisläufe ist: Wer hungert, ist zu schwach, um zu arbeiten – um Felder zu bestellen, Unkraut zu jäten, zu bewässern und so Nahrung zu erzeugen. Oder Geld zu verdienen, mit dem Nahrungsmittel gekauft werden können“, schreibt Löwenstein.

Leidtragende sind vor allem Kleinbauern, die mitunter hoch verschuldet sind, um Dünger, Pestizide oder andere Materialien zu kaufen. Kredite bekommen sie nicht von der Bank, sondern bei Wucherern zu überhöhten Zinsen, als Sicherheit dienen Teile der Ernte. Ein Teufelskreis.

Regionale Wirtschaftskreisläufe zu fairen Bedingungen können die Abwärtsspirale durchbrechen. Mitunter machen hier Lebensmittelspenden als Entwicklungshilfe mehr kaputt als ganz: Während der reiche Westen überspitzt formuliert seine Überschüsse günstig entsorgt und somit die Preise auf dem heimischen Markt stabil hält, haben Bauern und Projekte in den Zielländern das Nachsehen. Dabei leiden sie gerade auf vielen afrikanischen Märkten unter den (hoch) subventionierten Billigimporten aus der EU. Mit den Kampfpreisen können sie nicht konkurrieren und bleiben auf ihren Waren sitzen.

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Kategorie: Augen & Ohren | Schlagwörter: , ,

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