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Bioland veröffentlicht erste Gemeinwohl-Bilanz

Ökologische Landwirtschaft steht für fruchtbare Böden, sauberes Trinkwasser, gesunde Lebensmittel, Schonen von Ressourcen, Vielfalt von Flora und Fauna und mehr. Der Anbauverband Bioland, in welchem rund 6.000 Lebensmittel-Erzeuger Mitglied sind, hat analysiert, wie nützlich seine Arbeit für das Gemeinwohl ist und eine entsprechende Bilanz veröffentlicht.

Einzelne Mitglieder des Anbauverbands Bioland stehen der Gemeinwohl-Ökonomie nahe, manche haben bereits selbst eine entsprechende Bilanz erstellt. Dem ist der Verband nun gefolgt und hat Ende Dezember 2015 seine erste Gemeinwohl-Bilanz [1] veröffentlicht. Auf einer Skala von -2.880 bis 1.000 Punkten konnten 488 Punkte erreicht werden.

„Mit Hilfe der Gemeinwohlökonomie möchte der Verband die sozialen und ökonomischen Aspekte bewusster in seinem Handeln mit einbeziehen und gemeinwohlorientiert weiter entwickeln“, heißt es im entsprechenden Gemeinwohl-Bericht von Bioland. Um einen solchen zu erstellen gehört auch eine gewisse Portion Mut dazu, denn anders als ihr wirtschaftliches Pendant, muss eine Gemeinwohl-Bilanz veröffentlicht werden. So zeigen sich Unternehmen nicht nur mit ihren Stärken, sondern beleuchten auch für alle einsehbar ihre (momentanen) Schwächen.

Gemeinwohlstreben ist gesetzliche Pflicht

Die Gemeinwohl-Ökonomie [2] möchte nicht weniger, als ein neues Wirtschaftssystem etablieren. Ellenbogen-Mentalität, Lohndumping, Steuerflucht, Umweltverschmutzung und dergleichen lohnen sich für einzelne Unternehmen wirtschaftlich. Gewinne bleiben privat, Kosten sind hingegen gesellschaftliche Probleme.

Im deutschen Grundgesetz heißt es im Artikel 14 Absatz 2: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Noch deutlichere Worte fanden die Urheber der Landesverfassung des Freistaats Bayern. „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“ Die Verfassung Baden Württemberg stellt gleich zu Beginn in Artikel 1 Absatz 1 klar: „Der Mensch ist berufen, in der ihn umgebenden Gemeinschaft seine Gaben in Freiheit und in der Erfüllung des christlichen Sittengesetzes zu seinem und der anderen Wohl zu entfalten.“

„Die in der Gemeinwohl-Ökonomie formulierten Werte sind nichts Neues, es sind ganz normale Dinge, die wir uns im Grunde alle wünschen. Es braucht nur noch mutige Unternehmen, die sich endlich an den Verfassungen und dem Grundgesetz verbindlich orientieren“, sagte Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München, im Kapitel „Ein Banker auf Abwegen“ meines Buchs „Herzensfolger – Sich treu bleiben im Beruf: Zwischen ökonomischen Zwang und dem Traum vom Gemeinwohl“ [3].