Fulda: Schrebergarten Waidesgrund muss weichen

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Meine Heimatstadt Fulda tauscht grüne Gärten gegen grauen Beton – und das als eine der drei Ökomodellregionen Hessens. Die 113 Schrebergärten im Waidesgrund müssen in den nächsten Jahren für den Neubau von Wohnungen weichen. Gleichzeitig soll ein neues Parkhaus entstehen und die Fläche des nahe gelegenen Kongresscenters „Esperanto“ erweitert werden. Als aktiver Stadtgärtner blutet mir das Herz.

Sollte man neben Häusern auch Grün- und Gartenflächen besetzen, wie ich es im Scherz mit dem Rohbau unseres neuen Gewächshauses im Zeppelingarten gemacht habe?
Bild: Alexandra Jacobi – CC BY-NC-SA 4.0

Keine Frage, die Mieten in Fuldas Innenstadt sind für schmale Geldbeutel kaum zu stemmen. Froh ist, wer noch einen alten Mietvertrag hat. Bezahlbarer Wohnraum wird dringend gebraucht. Doch dass ausgerechnet Schrebergärten – eine Maßnahme gegen zunehmende Verstädterung – weichen müssen, klingt wie ein Schildbürgerstreich. In wenigen Jahren werden die 113 Parzellen platt gemacht.

Zu viele Autos in der Innenstadt: Fulda stinkt zum Himmel

Fulda gilt nicht gerade als fahrradfreundlich und wieder einmal wird einseitig für den Autoverkehr geplant. Dabei stinkt es in der Innenstadt ob der vielen Autos bereits heute zu oft gewaltig nach Abgasen. In wenigen Jahren soll ein Parkhaus noch mehr dieser Vehikel anlocken, anstatt den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Ökologische Politik kann ich nicht erkennen.

Darüber hinaus wurde erst vor zwei Jahren auf dem Fuldaer Messegelände Galerie 170.000 Euro in den dortigen Parkplatz investiert. Noch größere Kongresse und Messen in die Innenstadt zu verlegen ist angesichts des nahe gelegenen Bahnhofs verlockend, aber auch sinnvoll?

Mein herzliches Beileid, liebe Schrebergärtner vom Waidesgrund

Über 80 Jahre wird die Schrebergartenanlage im Waidesgrund vielen Familien eine zweite Heimat gewesen sein, bevor sie endgültig verschwinden muss. Diese Nachricht erreichte mich bereits am Montag, als wir Zeppelingärtner uns trafen, um die diesjährige Saison in unserem Gemeinschaftsgarten zu planen. Der Schock saß so tief, dass ich ihn erst einmal ein paar Tage „verdauen“ musste.

Die wunderschöne Barockstadt Fulda verwandelt sich zusehends in eine Ansammlung riesiger grauer Bauklötze in Form von zweckmäßigen und seelenlosen Neubauten. Die Aussicht, in den nächsten Jahren eine grüne Oase zu verlieren, schmerzt.

Weiterführende Informationen zum Bauvorhaben sind bei meinen Kollegen von Osthessen News zu finden.

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3 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel. Danke.

      

  2. Brannte mir einfach auf der Seele …

      

  3. Danke für diesen Artikel. Möchte wissen, wo die Schrebergärten nach neuen Flächen für Gärten suchen sollen. Vielleicht auf dem Dach von dem geplanten Parkhaus.

      

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