Nährstoffe für die Milch-Revolution

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Das Bild auf der Milchpackung zeigt eine friedlich grasende Kuh inmitten einer Postkarten-Idylle. Oft wird Konsumenten eine heile Welt vorgegaukelt, die es in der Form nur noch als Ausnahmen gibt. Längst setzt die Milchindustrie Milliarden um. Der allgegenwärtige Wachstumsdruck quetscht schon lange die schwächsten in der Kette aus: Landwirte und ihre Tiere. Der Dokumentarfilm „Das System Milch“ von Andreas Pichler läuft ab 21. September im Kino und erscheint am 5. Oktober auf DVD und Blu-Ray. Er zeigt Erschreckendes, aber auch Auswege aus dem Dilemma.

„Eine Kuh ist für uns eine Nummer“, sagt ein dänischer Landwirt. Als Zuschauer möchte man ihm wütend ins Gesicht schreien: „Du redest von einem Lebewesen.“ Doch bald wird klar, dass der Landwirt, der 700 Kühe hält, selbst ein Opfer des Systems ist. Er verdient weder an der Milch, noch an den männlichen Kälbern, die er an Händler verkauft. Zusammen mit etlichen Milchbauern in der Europäischen Union ist er längst von Subventionen – sprich verteilten Steuergeldern – abhängig. Das Ziel: Milch als billigen Rohstoff für die Lebensmittelindustrie sicherzustellen. Die Industrie selbst hat kein Interesse, das Überangebot einzudämmen. So bleiben die Einkaufspreise niedrig.

Subventionen zerstören regionale Wirtschaft

Der Wachstumsdruck ist enorm. Konnte ein im Film vorgestellter deutscher Betrieb 1978 noch von 35 Kühen leben, wäre dies heutzutage allenfalls ein Hobby. Wachsen oder weichen. Auch Bauernverbände wurden und werden nicht müde, den Landwirten höhere Produktionsmengen schmackhaft zu machen. EU-Milchbauern sollen via Export die Welt ernähren. Dabei entzieht billiges, subventioniertes europäisches Milchpulver landwirtschaftlichen Betrieben und Molkereien in Afrika die wirtschaftliche Grundlage. Die Folge: Landflucht und noch mehr junge Menschen ohne Perspektive.

Die optimierte Turbokuh versus ökologische Landwirtschaft

Aber auch die auf Hochleistung gezüchteten Kühe leiden unter dem Wachstumsdruck. Obwohl sie im Grunde 20 Jahre alt werden können, schaffen die Turbokühe höchstens fünf. In ihrer kurzen Lebenszeit stopft man sie mit Kraftfutter – darunter Soja aus Anbau, für den Regenwald weichen musste – voll, dass sie im Grunde krank macht.

Diese und weitere Zusammenhänge zeigt Andreas Pichler auf. Zum Glück betätigt er sich nicht als Schwarzmaler und verteufelt generell. Auch auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet er konsequent. Lieber hinterfragt er und redet mit allen Beteiligten. So legt er seinen Finger zielgerichtet in die Wunde und bietet darüber hinaus Lösungsmöglichkeiten an. In der ökologischen Landwirtschaft sieht er Auswege aus dem Dilemma, besonders bei regionaler Vermarktung. Ob das Ruder noch herumgerissen werden kann, liegt in den Händen der (EU)-Politik und wie immer beim Verbraucher.

Inwieweit der Film genügend Nährstoffe für eine Milch-Revolution liefert, wird sich zeigen. Zumindest zwei Dinge wird „Das System Milch“ hervorbringen: Bewusste Milch-Konsumenten und neue Veganer.

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Kategorie: Augen & Ohren

2 Kommentare

  1. Bin gespannt auf den Film. Danke für den Tipp!

    Und Du so? Bewusster Konsument bist Du ja schon. Also nun bald vegan?

      

    • Als ich Ende der 90er Jahre Vegetarier wurde, hatte ich tatsächlich einmal eine vegane Phase. Damals war das Thema noch nicht so in der Öffentlichkeit wie heute.

      Momentan kann ich mir allerdings nicht vorstellen, komplett vegan zu leben. Soweit wie möglich achte ich darauf, woher meine gekauften Milchprodukte stammen. Allerdings hat dies in Sachen Transparenz seine Grenzen, wenn Milchprodukte Bestandteil eines verarbeiteten Lebensmittels sind – wie beispielsweise in Schokolade.

        

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