30 Jahre Bioland in Hessen: Umwelt und Gemeinwohl im Fokus

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Deutschland braucht mehr Bio-Bauern

Während die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln seit Jahren im Handel steigt, kann die heimische Nachfrage nur durch Exporte befriedigt werden. „Es braucht nicht nur Landwirte, die sich der ökologischen Landwirtschaft anschließen, sondern vor allem politische Sicherheit“, sagte Gregor Koschate, Geschäftsführer der Bioland Geschäftsstelle Hessen.

Bundestagsabgeordneter Michael Brand (CDU) aus Fulda erinnerte in seinen Grußworten an 1986. Nicht nur Bioland eröffnete in dem Jahr seine Geschäftstelle in der Barockstadt, sondern es ereignete sich auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Plötzlich standen aufgrund des radioaktiven Fallouts auch gesunde Lebensmittel im Fokus der Öffentlichkeit. „Wenn der Mensch glaubt, er könne alles bestimmen, wird es nicht immer gut“, sagte Brand im ernsten Ton. Damals sei klar geworden, dass man neue ökologische Wege gehen müsse. Darin sieht er keinen neuen Trend, sondern eher ein Rückbesinnen auf Traditionen. „Danke für das Startsignal, was Bioland vor 30 Jahren gesetzt hat.“

Gräben zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft überwinden

Konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte sind im hessischen Bauernverband vertreten und haben mitunter gegenteilige Forderungen. Karsten Schmal, Präsident des hessischen Bauernverband, sprach sich für Kooperation aus. „Wir sollten uns auf Gemeinsamkeiten konzentrieren.“ Dies sei auch entscheidend, um die hessische Nachfrage nach Bio-Produkten regional befriedigen zu können.

In seinem Festvortrag sprach Bioland-Präsident Jan Plagge auch Schwachstellen des Biolandanbaus an, denn noch seien nicht alle Stoffkreisläufe geschlossen. Aber es tue sich etwas, besonders in Sachen Tierwohl verlagern sich die Bio-Kontrollen „weg vom Papier und hin zum Tier“. Bis vor kurzem seien auch „männliche Überschuss-Tiere“, wie Abfall entsorgt worden. So werden beispielsweise vielerorts massenhaft männliche Küken am Tag der Geburt getötet. Sie gehören einer Hybrid-Rasse an, die eine hohe Eierlege-Leistung aufweist, aber sich kaum für die Mast eignet. Heute gibt es beispielsweise die Bruderhahn-Initiative, an der auch Bioland-Höfe mitwirken. Diesen Wandel habe auch die wachsende gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf nachhaltige Produktionsweisen von Lebensmitteln begünstigt.

Zudem habe man sich in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zu stark auf den globalen Markt konzentriert, doch „Deutschland wird nicht die Welt ernähren.“ Heimische Betriebe begaben sich im internationalen Wettbewerb und gerieten daher unter Kostendruck. Dabei könne beispielsweise ein deutscher Mastbetrieb unmöglich mit seinem Pendant in Amerika konkurrieren. Viel mehr seien Bio-Landwirte vor Ort sinnvoll, die jeweils die einheimische Nachfrage bedienen können. So könne man den Welthunger beseitigen – ganz im Sinne von global denken und lokal handeln.

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Kategorie: Regionalkiste

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