Bio für den schmalen Geldbeutel

| Keine Kommentare | Druckversion Druckversion | E-Mail E-Mail

armaberbio_kochbuch_kleiner

Es ist bewiesen: Auch Sparfüchse können schlemmen.

„Discounter sind Unsinn“

Wer bei billigen Bio-Lebensmitteln an Aldi, Lidl, Norma & Co. denkt, irrt sich. „Discounter sind Unsinn“, sagt Farkas lachend. Die Preisunterschiede seien mitunter marginal, wie die Journalistin schon bald feststellte. Für ihre Bücher besuchte sie Supermärkte, Bioläden und eben Discounter. „Hier waren zwar beispielsweise die Karotten billiger, doch ich musste gleich ein abgepacktes Kilo kaufen.“ Im Bioladen war der Kilopreis zwar höher, doch Farkas konnte zu der Menge greifen, die sie wirklich brauchte und verarbeiten konnte. Lebensmittel, die im Müll landen, sind eine echte Kostenfalle. Daher sollte die Vorratshaltung sinnvoll an Verbrauch und Einkaufssituation angepasst werden.

„Zudem ist das Angebot an Bio-Lebensmitteln im Discounter deutlich eingeschränkt.“ Meist finden sich hier nur Produkte mit dem EU-Bio-Siegel, welches die schwächste Form des Bio-Anbaus symbolisiert. Hier sind die meisten Ausnahmen erlaubt und Lebensmittelhersteller können gleichzeitig konventionell arbeiten. Bei den Anbauverbänden wie Bioland, Naturland und Demeter gelten strengere Vorgaben, beispielsweise was die Futtermittel betreffen. „Bei Lebensmittel tierischen Ursprungs greife ich persönlich ausschließlich zu Demeter-Produkten“, erklärt Farkas im festen Ton.

Doch auch die Geschäftspraktiken der Discounter sind der Journalistin ein Dorn im Auge. „Die billigen Preise sind meiner Meinung nach nicht korrekt, denn irgendjemand zahlt mit Sicherheit dabei drauf.“ Seien es unterbezahlte Erntehelfer oder wir alle, weil unsere Umwelt durch industrielle Massenproduktion nachhaltig geschädigt wird. „Das empfinde ich als unmoralisch, ja fast schon als kriminell.“

Für Farkas ist es für das Selbstwertgefühl entscheidend, sich gute Lebensmittel zu gönnen. Niemand sollte sich durch Armut dazu gedrängt fühlen, seine Ansprüche an eine gesunde Ernährung aufzugeben. „Man darf sich nicht klein machen lassen, das ist auch wichtig für die Seele.“

armaberbio_selbstversuch_kleiner

Wer sich neben Rezepten für den kompletten Selbstversuch von Rozsika Farkas interessiert, greift auch zu diesem Buch.

Kostenfallen konsequent vermeiden

Sich günstig mit guten Bio-Lebensmitteln zu versorgen klingt kompliziert und erfordert auch tatsächlich Mühe – doch es lohnt sich. „Bei der Qualität muss ich tatsächlich keine Abstriche machen, dafür aber bei manchen Produkten. Bio-Mangos passen beispielsweise nicht zu einem schmalen Budget.“ Es sei entscheidend, konsequent zu handeln: Auf die Saison achten, so wenige Fertigprodukte wie möglich kaufen, keine Lebensmittel im Müll entsorgen und vor allem selber kochen.

Pizza, Kartoffel-Püree und auch Kekse schmecken nicht nur selbst gemacht am besten, sondern sind oft deutlich günstiger. Beispielsweise werden die beliebten schottischen Butterkekse „Shortbread“ relativ teuer verkauft. Das Rezept aus dem „Arm aber Bio!“-Kochbuch hat Farkas freundlicherweise freigegeben und ich habe die leckeren Kekse schon mehrmals gebacken. „Die Zeit ist ins Selbermachen immer gut investiert.“

Am Ende ihres Experiments überzog Farkas das Budget minimal und inzwischen wurde der Hartz-IV-Satz mehrfach erhöht. Die Journalistin hat dennoch bewiesen, dass Bio auch mit einem schmalen Geldbeutel möglich ist.

Selbstversuch läutete die finanzielle Wende ein

Ihre beiden Bücher verlegte Farkas komplett in Eigenregie. So konnte sie die Inhalte selber bestimmen, die Werke recht schnell auf den Markt bringen und verdiente pro Verkauf mehr. Für die Druckkosten mobilisierte die Journalistin ihre letzten finanziellen Mittel. Nicht nur der Selbstversuch war ein Erfolg, sondern auch die Bücher, die die Autorin fürs erste aus dem finanziellen Tal geführt haben. Inzwischen gibt es auch wieder neue Auftraggeber. „Mein großes Glück ist, ich muss nur über das schreiben, was mir am Herzen liegt.“

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sie können dafür bezahlen und damit unabhängigen Journalismus fördern!
Kontoverbindung
Kontoinhaber: Jens Brehl
IBAN: DE56430609676016706401
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Brehl backt
Bank: GLS Bank
Paypal

 

Kategorie: Bio? Logisch!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.