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Das Geschäft mit dem Acker

Brennende Hütten, verzweifelt schreiende Frauen und weinende Kinder: In Kambodscha wird ein Dorf dem Erdboden gleich gemacht und die Bauern von ihrem Land vertrieben. Ein großer ausländischer Konzern wird es in Besitz nehmen, große Plantagen anlegen und eine Fabrik bauen – ein klassischer Fall von Landraub. Ähnliches geschieht rund um den Globus, denn längst sind unsere Lebensmittel und Ackerflächen zu Rendite-Objekten geworden. Am 8. Oktober startet in den deutschen Kinos der Film „Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland“, in dem Kurt Langbein und Christian Brüser tiefe Einblicke in das Geschäft mit dem Acker geben.

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Der Mönch Luon Sovath dokumentiert den Landraub in seiner Heimat Kambodscha.

Fruchtbares Land ist kostbar, denn ohne weiteres lässt es sich nicht vermehren. Spätestens seit dem rasanten Anstieg der Lebensmittelpreise im Jahr 2008 haben internationale Investoren Ackerflächen ins Visier genommen – vielerorts mit fatalen Folgen. Schließlich gibt es nur wenige Gewinner und dafür viele Verlierer.

Landraub erzeugt Armut auf der ganzen Welt

In Kambodscha begleiten die Macher von „Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland“ den Mönch Luon Sovath. Mit seiner Kamera dokumentiert er Vorfälle und interviewt Betroffene. Echte Pressefreiheit gäbe es in seinem Land nur im Internet.

Wo sich zuvor Kleinbauernfamilien selber mit Lebensmittel versorgen und Überschüsse auf dem Markt verkaufen konnten, wird das Samenkorn für kommende Krisen gelegt – und das wiederholt sich in etlichen Ländern. Staaten enteignen Bauern, die oftmals bereits seit Generationen das Land bewirtschafteten und verpachten es an internationale Konzerne. Unzählige Familien weltweit verlieren ihre Heimat, ihr Eigentum und damit ihre Existenzgrundlage. Wer „Glück“ hat, verdingt sich als Billiglöhner in den entstehenden Großbetrieben, die massenhaft auch für den Export nach Europa produzieren.

Besonders Palmölplantagen, die den Regenwald verdrängen, sind problematisch. Als die Kamera über grüne Landschaften fliegt, die bis zum Horizont reichen, braucht der Zuschauer eine Weile um zu erkennen, dass es sich dabei nicht um den Regenwald, sondern um eine gigantische Palmölplantage handelt. Ein Anblick, der zunächst sprachlos macht.

Ein weiterer Schwenk bringt den Zuschauer nach Rumänien, denn auch hier erwerben internationale Investoren große Flächen. Teils lagen diese vorher brach. Traditionelle landwirtschaftliche Betriebe haben das Nachsehen. Doch die Filmemacher sprechen nicht nur mit den Opfern, sondern auch mit den Investoren und so erfährt man auch deren Motivationen.

Der Hunger in der Welt ist hausgemacht

Wenn wir an die Ernährung der Weltbevölkerung denken, dann sehen wir meist gigantische Frachtschiffe voller Weizenkörner vor uns, wie ein weiterer Protagonist des Films, Agrarwissenschaftler und Bio-Landwirt Felix zu Löwenstein sagt. Er erinnert jedoch daran, dass gerade Kleinbauern mit ihren traditionellen Anbaumethoden 70 Prozent unserer globalen Lebensmittel produzieren. Löwenstein liefert nicht nur im Film wertvolle Hintergrundinformationen, sondern hat kürzlich sein Buch „Es ist genug da. Für alle. Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur“ [1] veröffentlicht.

Doch auch die Politik der EU setzt mit ihren Förderprogrammen falsche Anreize und es fehlt derzeit noch der politische Wille, Lebensmittel-Importe denen Landraub, Umweltverschmutzungen und soziale Probleme vorausgegangen sind, zu verbieten. Kein Wunder, denn auch europäische Konzerne und Banken sind schon längst ins Geschäft eingestiegen.

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Gerade in Zeiten von Flüchtlingswellen und -katastrophen sollte ein großes Interesse bestehen, weltweit funktionierende regionale und ökologisch nachhaltige Wirtschaftskreisläufe zu etablieren. Vielleicht gelingt es „Landraub – Die globale Jagd nach Ackerland“ Konsumenten und Wähler wachzurütteln. Die Zeit ist auf jeden Fall reif.