Der Milchbauer und sein Einsatz für den Klimaschutz

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Nitrat im Grundwasser, Rückgang der Artenvielfalt, Verlust von Humus, Klimawandel: Die ökologische Landwirtschaft liefert viele Antworten auf drängende Umweltprobleme. Besser geht allerdings immer, denn auch unter Biobauern ist aktiver Klimaschutz etwas für die Fortgeschrittenen. Der mit dem bayerischen Klimaschutzpreis ausgezeichnete Milchbauer Richard Haneberg weihte im Vortrag in seine besonderen Arbeitsweisen ein.

Auf dem Hof der Hanebergs nahe Kempten im Allgäu liefern 47 Kühe verlässlich Biomilch. Das Gras auf der Weide und Heu bilden das Grundfutter, Kraftfutter wie Mais oder Soja kommen Richard Haneberg bewusst nicht auf den Hof. Schon an dieser Stelle spart er eine Menge Energie ein. Doch es sind weitere Details, die ihn zum aktiven Klimaschützer machen – denn dazu reicht sparen und vermeiden alleine nicht aus.

MP3 Den kompletten Vortrag kann man kostenfrei nachhören oder herunterladen. (1:05:02 Stunden, mp3, 118,5 MB, *)

* Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Artenvielfalt erhalten

Haneberg vermeidet vollständigen Kahlschlag auf seinen Grasflächen, sondern mäht bewusst in Abschnitten. Die Heuernte kann sich dadurch bis zu vier Wochen hinziehen. Bienen und andere Insekten finden somit immer einen Lebensraum. „Wenn wir den letzten Schnitt einholen, steht auf der ersten Fläche der zweite Aufwuchs.“ Auch auf Bayerns erstem Kuhstall mit Grasdach wimmelt es von Leben. Besonders in heißen Sommern kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Die natürliche Verdunstungskälte sorgt für angenehme Temperaturen im Stall.

Mit Heu und Laub CO2 speichern

Mit Laub aus Parkanlagen und (teilweise) zugekauftem Stroh streuen Hanebergs den Kuhstall ein. Zusammen mit dem Kot und Harn der Tiere erhalten sie auf diese Weise Festmist. Der ist besonders wichtig, um Humus aufzubauen, der wiederum CO2 speichern kann – „eine Aufgabe, der sich alle Landwirte widmen sollten.“ Allerdings sei Festmist bei den Milchviehbetrieben im Allgäu eine Seltenheit. Die meisten würden auf Gülle setzen, was weniger arbeitsintensiv ist. Der aus dem Festmist gewonnene Kompost enthält doppelt so viel Phosphor wie Kalium, bei der reinen Gülle ist das Verhältnis genau umgekehrt. Beides ausgebracht, ergänzt sich entsprechen. „Phosphor ist ein endlicher Rohstoff“, erinnerte Haneberg das Publikum.

Der regelmäßige Weidegang freut nicht nur Kühe, sondern auch das Klima. Die Tiere suchen sich ihr Futter selbst, so dass der Transport entfällt. Ihren Kot und Harn setzen getrennt ab und gasen so nur zwei bis drei Prozent klimaschädliches Ammoniak aus. Bei Gülle liegt der Wert beim Lagern und Ausbringen zwischen 20 oder 30 Prozent.

Lebensleistung statt Wegwerfkuh

Der Trend in der konventionellen Tierzüchtung geht in Richtung Wegwerfkuh, da einseitig auf eine möglichst hohe Milchleitung gezüchtet wird. Als Messwert gelte alleinig die erste Laktationsphase, womit man auf frühreife Tiere selektiert. „Frühe Reife heißt auch frühes Alter. Das Abgangsalter ist mittlerweile auf fünf Jahre gesunken.“ Die Kühe seien noch nicht einmal ausgewachsen, wenn sie schon verbraucht sind und beim Metzger landen. Kein Wunder: Bis zu 12.000 Liter und mehr geben solche Hochleitungskühe, die dafür auf zusätzliches Kraftfutter angewiesen sind, welches im schlimmsten Fall Soja aus Brasilien oder Argentinien ist. „Der ökologische Fußabdruck ist katastrophal“, betonte Haneberg. „Es heißt immer mehr, immer mehr und am Ende haben wir nur lauter kranke Kühe.“ Den „Berufskrankheiten“ gestörter Stoffwechsel, entzündete Euter, erkrankte Klauen, Unfruchtbarkeit gehe einem hohen Einsatz von Antibiotika einher.

Hanebergs züchten auf dem eigenen Hof und haben dabei eine möglichst lange Lebensleistung im Fokus. Richtwert sind zehn Laktationen mit jeweils 7.000 Litern Milch, was einer Lebensleistung von 70.000 Litern entspricht. „Das sind für uns wertvolle Tiere.“ Kuh Heiderose wurde über 18 Jahre alt und gab im Laufe ihres Lebens 90.000 Liter Milch. Die Hanebergs brauchen weniger frische Kälber, die Kühe müssen nicht jährlich trächtig werden. Vorteil: Weniger Gülle und Methan – gut für‘s Klima.

Der Vortrag fand auf Einladung der Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel am 14.10.2019 in der tegut Zentrale Fulda statt.

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Kategorie: Bio? Logisch!, Regionalkiste | Schlagwörter:

2 Kommentare

  1. Sehr spannend, Jens! Hab den Vortrag noch nicht gehört und frage mal ganz faul: Gibt es auch einen CO2-Vergleich dieser und der herkömmlichen Milchwirtschaft?

    Viele Grüße aus Berlin

      

    • Einen direkten CO2-Vergleich gibt es nicht, aber es ist sehr spannend, wie er aus der Praxis erzählt und wie die einzelnen Maßnahmen auf seinem Hof ineinandergreifen. Vor allem im letzten Drittel erzählt er zum Thema „Wegwerfkuh“: Reine Zucht auf Leistung, Kraftfutter (Soja aus Brasilien & Co.) lässt Kühe nicht alt werden. Hanebergs züchten auf Lebensleistung. Dazu präsentiert er Zahlen zum direkten Vergleich.

        

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