„Der Verlust von Biodiversität ist gefährlicher als der Klimawandel“

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Aus ökologischer Sicht gibt es viele Gefahren für die Menschheit. Während der Klimawandel derzeit die volle mediale Aufmerksamkeit erhält, droht der Verlust von Sortenvielfalt beim Saatgut und dessen Auswirkungen auf unsere Ernährungssicherheit aus dem Fokus zu geraten. Daher hatte das Slow Food Convivum Frankfurt zum Informationsabend „Ökologisches Saatgut – Traditioneller Arten- und Sortenreichtum“ mit Volker Weber vom Freilichtmuseum Hessenpark und Michael Fleck von Kultursaat e. V. eingeladen.

Die Banane ist ein mahnendes Beispiel. Weltweit wird für den Handel nur eine Sorte angebaut, welche von einem schwer zu bekämpfenden Pilz bedroht ist. Die Gefahr von Ernteausfällen könnte man minimieren, würden mehrere Sorten kultiviert werden, wie Volker Weber erklärte. Je größer die Vielfalt in Gärten und auf dem Acker, um so größer ist unsere Ernährungssicherheit. Der letzte Sommer mit seiner langen Trockenheit hat gezeigt, dass es besonders gut angepasste und robuste Sorten braucht.

Für die Pflanzenzucht ist ein möglichst großer Genpool wichtig, den Saatgutbanken, aber auch Vereine und Hobbygärtner sichern. „Wir hatten große Mühe, Flachssaatgut für den Anbau im Freilichtmuseum zu finden“, sagte Weber. Man wisse nicht, welche Eigenschaften zukünftig besonders bedeutend sein werden, ergänzte Michael Fleck. Jede alte Sorte birgt somit einen potenziellen Schatz in sich.

Hybridsorten haben sich durchgesetzt

Mittlerweile sind in der konventionellen, aber auch in der ökologischen Landwirtschaft Hybridsorten weit verbreitet. Deren Anteil hat 2015 bereits 80 Prozent erreicht. Für Hybridensaatgut werden zwei Inzuchtlinien miteinander verkreuzt. Ergebnis: Das daraus angebaute Gemüse ist oft besonders gleichförmig, was den Handel freut. Makelloses Gemüse verkauft sich eben besser.

Auch einzelne „Supereigenschaften“ lassen sich hervorheben, wie eine lange Lagerfähigkeit. „Hybridsorten sind als Saatgut nutzlos, sie eignen sich nur zur einmaligen Aussaat“, erklärte Weber. Wer dennoch selbst gewonnene Saatgut von Hybriden ausbringt, erhält ein „buntes Potpourie“. Was vorher besonders gleichförmig war, ist dann stark unterschiedlich – und somit für den Erwerbsanbau ungeeignet. „Es ist das perfekte Geschäftsmodell, weil Landwirte jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen“, hob Fleck hervor.

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