Drei Cent für mehr Hörner

| 3 Kommentare | Druckversion Druckversion | E-Mail E-Mail

Greifen Konsumenten bewusst zur Bio-Milch, stellen sie sich glückliche Kühe auf der grünen Weide vor. Natürlich tragen alle Tiere ihre Hörner, wie es das Bild auf der Verpackung auch suggeriert. In der Realität haben sich das Enthornen und die hornlose Zucht allerdings auch in weiten Teilen der ökologischen Landwirtschaft ausgebreitet. „Wir blicken auf eine gemeinsame Kulturgeschichte mit horntragenden Rindern zurück. Ohne es zu merken, stehen wir derzeit allerdings kurz vor deren Ende, und am Beginn einer Ära mit hornlosen Rindern“, warnt Ulrich Mück, Agrar-Ingenieur vom Anbauverband Demeter.

ulrich-mueck-bb

„Hörner stellen keine Probleme dar, sondern sind wichtige Wesensmerkmale der Rinder“, sagt Ulrich Mück.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Jens Brehl: Welche Bedeutung haben Hörner für Rinder?

Ulrich Mück: Wir können uns aus dem menschlichen Verständnis nur vorsichtig an die Bedeutung der Hörner für das Wesen der Rinder annähern – aber sie ist auf jeden Fall vielschichtig. Deutlich ist ihre Rolle für die Kommunikation in der Herde. Rinder sehen nur schemenhaft und können anhand der Form der Hörner ihre Artgenossen besser identifizieren und die Gesten der Kopfbewegungen leichter interpretieren. Das ist besonders wichtig, damit sich im Rang niedere Tiere unterordnen und hochrangigen Vertretern rechtzeitig ausweichen können. Damit vermeiden sie Konflikte. Ist die Rangordnung zweifelsfrei geklärt und für alle leicht ersichtlich, ist die Herde ausgeglichener.

In Rangkämpfen kommen auch die Hörner zum Einsatz, allerdings nicht um mit ihnen gezielt zuzustoßen. Vielmehr können sich Kontrahenten beim Gegenüber Kopf-an-Kopf „einhaken“ und schieben. Wer hier stärker ist, hat gewonnen. Dennoch verletzten sich Tiere durch Hörner auch in ruhigen Herden ab und an – in der Regel bleibt es aber bei Striemen im Fell.

Hörner sind als eigene Organe der Rinder anzusehen. Sie bestehen aus Horn und dem darunter liegenden durchhöhlten Gliedmaßenknochen. Sie sind intensiv durchblutet, mit Nerven durchzogen und stehen im Austausch mit dem Stoffwechsel. Unter anderem weil in die Hörner der Rinder auch die ausgedehnten Stirnhöhlen ragen, die von innen mit Schleimhäuten überzogen und durchlüftet sind und in die  Pansengase aus dem Maulraum eintreten, wird zudem ein Zusammenhang mit der Verdauung vermutet. Allerdings gibt es dazu noch keine Forschungsergebnisse.

Über die Hörner können Rinder außerdem ihre Körpertemperatur regulieren, wodurch sich Weidetiere bei Hitze wohler fühlen.

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sie können dafür bezahlen und damit unabhängigen Journalismus fördern!
Kontoverbindung
Kontoinhaber: Jens Brehl
IBAN: DE56430609676016706401
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Brehl backt
Bank: GLS Bank
Paypal

 

Kategorie: Bio? Logisch! | Schlagwörter:

3 Kommentare

  1. Spannend! Du hast ja schon einiges erzählt, aber vieles war mir ganz neu.

    Was ich nicht verstanden habe: Woher stammen die Hörner bei demeter, die mit Mist oder Quarz gefüllt werden, um damit homöopathische Heilmittel herzustellen?

      

    • Die Einblicke hat ja Ulrich Mück im Interview gewährt – welches übrigens länger dauerte, als ich vorher gesagt habe. Trotzdem hat er meine Fragen geduldig beantwortet.

      Rinder werden irgendwann einmal geschlachtet und dann hat man auch Hörner zur Verfügung. Du hast ja mein Buch „Regionale Biolebensmittel“. Dort geht Landwirt Thorsten Keuer auf Seite 23 kurz auf die Präparate und Kuhhörner ein.

        

  2. Dass es bei Demeter keine Betriebe mit hornlosen Rindern gibt, stimmt nicht. Im Rems-Murr-Kreis (Baden-Württemberg) gibt es einen solchen Betrieb, die „Erlacher Höhe“. Dieser Demeter-Betrieb hat eine Ausnahmegenehmigung bekommen, weil die Berufsgenossenschaft das Halten hornloser Rinder verlangt hat, da sonst die Verletzungsgefahr für die mitarbeitenden Betreuten Bewohner der Einrichtung zu groß sei.
    Ich bin selber Bio-Landwirt (Bioland) und unbedingt der Meinung, dass Kühe ihre Hörner brauchen, sowie ein eindeutiger Gegner der Zucht auf Hornlosigkeit. Aber dafür brauche ich keinen anthroposophischen Hokus-Pokus als Begründung. Das obige Beispiel entlarvt das Gefasel um die Hörner bei Demeter als das, was es ist: dummes Geschwätz! Denn nähme Demeter seine eigenen Aussagen ernst, hätte eine solche Ausnahmegenhemigung nie erteilt werden dürfen.

      

Kommentar-Feed (RSS)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.