Essen gegen unseren Verstand

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Im Großen und Ganzen wissen die meisten, wie sie sich gesund ernähren können: Statt zuckerhaltiger Limonade Wasser trinken, mehr Obst essen und statt zum zweiten Stück Fleisch zum Salat greifen. Im Fernsehen und Internet zeigen Filme immer wieder die Zustände in der Massentierhaltung. Trotzdem greifen wir beim Discounter zum billigen Schnitzel. Wenn wir doch so viel über Ernährung wissen, warum handeln wir nicht danach? Dieser Frage ging auf der Frankfurter Buchmesse das Bio-Magazin „Schrot & Korn“ auf einer Podiumsdiskussion nach.

Beim Essen zieht der Verstand oft den Kürzeren und der Impuls übernimmt. „Welches Lebensmittel ich kaufe, entscheide ich in einer bis eineinhalb Sekunden“, erklärte die Diplom Oecotrophologin Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. Aus Eile lesen viele Kunden nicht die Zutatenliste, sondern lassen sich durch Bilder auf der Verpackung und wohlklingende Produktnamen täuschen. Als Beispiel präsentierte sie unter anderem einen Erdbeer-Minze-Tee, bei dem von allen Zutaten Erdbeeren am wenigsten drin sind. „Wir sprechen dann von Alibi-Zutaten, die oft auch nur als Aroma im Lebensmittel enthalten sind.“ Auch aus Gewohnheit greifen wir immer wieder zum Gleichen. Wer als Kind mit Softdrinks aufgewachsen ist, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Rest seines Lebens trinken und seine eigenen Kinder entsprechend prägen. Und auch bei bekundeter Bereitschaft mehr für Fleisch aus artgerechter Haltung zu zahlen, gewinnt im Supermarkt meist das Sonderangebot.

„Das ist die Schere zwischen dem was wir glauben, was wir tun und was wir tatsächlich tun“, sagte Dr. Nanette Ströbele-Benschop, Professorin für angewandte Ernährungspsychologie an der Universität Hohenheim. „Hunger hat weniger Einfluss darauf was und wie viel ich esse. Wir essen oft aus allen möglichen anderen Gründen“, führte sie weiter aus. Sind wir tatsächlich hungrig, überlegen wir nicht lange welche Lebensmittel am gesündesten wären, sondern essen was gerade verfügbar ist. Ströbele-Benschop erforscht die äußeren Einflüsse auf unser Essverhalten – und die sind mitunter erstaunlich. Blaue Trauben von einem blauen Teller schmecken anders, als von einem weißen. Bei vielen Menschen isst das Auge mit, wie auch die Gefühlslage. Ströble-Benschop sprach von „Emotions-Essern“: Sind diese glücklich, traurig oder gestresst, essen sie entsprechend mehr.

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Kategorie: Bio? Logisch!

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