Essen zwischen Genuss und Zweiklassengesellschaft

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„Superfood“, nein Danke!

Dr. Jasmin Peschke vom Goetheanum Dorach wunderte sich, warum sich Krankenkassen nicht stärker in Puncto gesunder Ernährung einbringen. Auf der anderen Seite würden Konsumenten unentwegt neue „Superfoods“ präsentiert. Zeitweise sind Lebensmittel wie Kokosöl oder Avocados angebliche Heilsbringer, bald darauf seien sie wieder vergessen oder gar verteufelt. „Vom ehemaligem ‚Superfood‘ grüner Tee spricht heute keiner mehr. Viele sind unsicher, was nun gesund ist, weil es sich ständig ändert.“ Daher solle man Lebensmittel wieder als Ganzes begegnen und nicht in seine Nährwerte zerlegen.

Eigene Filterblasen aufbrechen

Dr. Alexander Beck war hin- und hergerissen. Einerseits müsse man aus seinen Filterblasen ausbrechen und sich anderen Realitäten stellen. Allerdings würden sich die Öko-Hersteller in der Filterblase der Tagung auch gegenseitig stärken. Auch wenn Bio angeblich boomt, muss man ehrlicherweise noch von einer Nische sprechen. Bioprodukte machten 2016 in Deutschland gerade einmal 5,1 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. Nur rund ein Zehntel aller landwirtschaftlichen Betriebe arbeiteten 2017 nach ökologischen Kriterien. Der Weg zu einer echten ökologischen Ernährungswende mit 100 Prozent Biolebensmitteln ist weit.

„Heute war nichts revolutionär Neues dabei“, gab Dr. Isabell Hildermann, Geschäftsleitung Spielberger Mühle, am Ende der Tagung offen zu. „Es waren Themen, über die man aber immer wieder sprechen muss.“ Auch nach Jahrzehnten heißt es für die Branche, Kunden in Sachen guter Qualität zu informieren und dabei den richtigen Ton zu treffen. Es gelte optimale Betriebsgrößen zu finden, um auch bei größeren Mengen das Handwerkliche zu erhalten. Antje Kölling vom Anbauverband Demeter hob hervor, wie wichtig samenfestes Öko-Saatgut und eine entsprechende eigene Züchtung ist. Die meisten Diskurse begleiten die Branche seit Jahrzehnten.

Lotte Rose von Slow Food Deutschland kam auf meinen Einwand zurück, „Eliten-Diskussionen“ in Sachen Genuss zu führen, während es auch beim Essen eine Zweiklassengesellschaft gibt. Auf der einen Seite stehen gut betuchte Genießer, auf der anderen Geringverdiener, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen. „Es ist von Menschen, die erleben nichts wert zu sein, zu viel verlangt, sich auch noch Gedanken um eine Ernährungswende zu machen.“ Daher müsse die soziale Gerechtigkeit stärker im Fokus stehen.

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Kategorie: Bio? Logisch!, Regionalkiste

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