Landwirtschaft als Gemeingut

| 1 Kommentar | Druckversion Druckversion | E-Mail E-Mail

Mehr als Gemüse

In den einzelnen Vorträgen und auch in den anschließenden Arbeitsgruppen wurde bald deutlich, dass auch innere Prozesse eine wichtige Rolle spielen. Besonders, wenn sich eine Gemeinschaft neu bildet und dabei ein echtes Wir-Gefühl erzeugen möchte. Dazu bedarf es den Raum und die Zeit, Träume zu teilen, Probleme offen zu erörtern und gemeinsam Lösungen zu finden. Miteinander reden und aufeinander zugehen sind dabei wichtige Schlüssel.

Wenn ein Landwirt gewohnt ist, alleinverantwortlich für den Großhandel zu produzieren, ist es für ihn eine große Umstellung, wenn die Konsumenten nun aktiver Teil der Hofgemeinschaft sein wollen. Wie viel Nähe kann und möchte er zulassen? Wie gelingt eine offene Kommunikation? So wie Gemeingüter nicht vom Himmel fallen, müssen sich auch bei Initiativen aus der solidarischen Landwirtschaft, aber auch beim gemeinsamen Stadtgärtnern Gemeinschaften erst finden. So erkennt man auf dem zweiten Blick, dass nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch innere Reifeprozesse im Fokus stehen.

Hohe Ideale auf dem Boden der Tatsachen

Etliche Teilnehmer kamen weder aus der Landwirtschaft, noch aus dem Gartenbau. Doch auch das Interesse der Städter mit Schreibtischjob wo und wie Lebensmittel erzeugt werden ist hoch. Beim Gärtnern und bei der Arbeit auf dem Feld könne man sich erden und die eigenen hohen Ideale landen im positiven Sinne auf dem Boden der Tatsachen. Wichtig für die Gemeinschaft sind einheitliche Ziele, damit die anfängliche hohe Motivation nicht später zu Frust führt. Wird eine Vollversorgung mit Gemüse angestrebt oder geht es um den Spaß am Selberackern und darum Wissen weiter zu geben? „Es muss genug gefeiert werden“, sagte Helfrich. Projekte müssen nach ihrer Ansicht auf jeden Fall Freude bereiten, auch wenn es zäh sein kann, Entscheidungen nach dem Konsensprinzip zu treffen.

Laut Kathleen Cross von der Initiative Markushof bei Heidelberg ist es wichtig, die Anfangsmotivation auch Projekt-Neulingen zu vermitteln, die die Aufbauphase nicht persönlich miterlebt haben. Die selbständige Dolmetscherin hätte sich alleine nicht mit solidarischer Landwirtschaft auseinandergesetzt. Erst die Gemeinschaft hat sie ermuntert aktiv zu werden.

Kathleen Cross

Kathleen Cross (links) in der Diskussion. Im Hintergrund schreibt Gastgeber Matthias Zaiser der Arbeitsgruppe „Früchte teilen“ Kernaussagen mit.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sie können dafür bezahlen und damit unabhängigen Journalismus fördern!
Kontoverbindung
Kontoinhaber: Jens Brehl
IBAN: DE56430609676016706401
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Brehl backt
Bank: GLS Bank
Paypal

 

Kategorie: Bio? Logisch! | Schlagwörter: , , ,

Ein Kommentar

  1. Pingback: “Verantwortung übernehmen für das, was uns wichtig ist” – Landwirtschaft und Gemeingüter | GLS Bank-Blog

Kommentar-Feed (RSS)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.