Lieber Handel, bitte samenfest und Öko-Zucht

| Keine Kommentare | Druckversion Druckversion | E-Mail E-Mail

Die Mühe der Mühle

Die Meyermühle steht sozusagen zwischen den Fronten, sprich zwischen den Wünschen der Landwirte und der Bäcker. Für letztere sind die Backeigenschaften entscheidend. Bei jeder neuen Getreidelieferung schwanken die Inhaltsstoffe und Merkmale, Bäcker benötigen das ganze Jahr einheitliches Mehl. Die Kunst der Mühle ist ein guter Verschnitt. Ansonsten wären die Teige kaum maschinengängig, schließlich verzichten Bio-Bäcker auf Hilfsstoffe wie Enzyme. „Das sind knallharte Forderungen“, erklärte Vorstandsmitglied Michael Hiestand.

Allerdings könne man Kunden mit besonderen Produkten wie dem sortenreinen Lichtkornroggenbrot überzeugen. Das Getreide wird eigens für die Hofpfisterei angebaut und vermahlen. Der Handel informiert Kunden, dass das uneinheitliche Aussehen der Brote ein Qualitätsmerkmal und kein Makel ist.

Voelkel – Vorreiter bei samenfesten Öko-Sorten

„Wir wissen viel und müssen endlich entsprechend handeln“, sagte Boris Voelkel, Einkaufsleiter der Naturkostsafterei Voelkel, mit Nachdruck. „Wir sehen die Probleme und kennen doch die Lösungen. Jeder soll sich fragen, was er dazu beitragen kann, Öko-Sorten auf den Markt zu bringen.“

Die Bilanz von Voelkel kann sich jedenfalls sehen lassen. Bis auf Hybrid-Gurken, verarbeitet das Unternehmen nach eigener Aussage für die eigene Marke ausschließlich samenfeste Öko-Sorten. Dabei ist Kreativität gefragt. So zeichnet sich die Möhre Rodelika zwar durch ihren süßen Geschmack aus, aber der Ernteertrag ist geringer. Zudem hat die Möhre viel Trockensubstanz, was weniger Saftausbeute verspricht. Lösung: In den hauseigenen Möhrensaft kommen die Sorten Solvita und Rodelika.

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die Bio-Branche in Sachen eigenes Saatgut etliche Jahre geschlafen hat. Der Naturkosthandel war seit jeher nicht nur Einkaufsort, sondern schaffte durch gezielte Aufklärung den Zugang zu Hintergrundwissen. Auf diese Stärken müssen man sich wieder besinnen, denn Lidl & Co. könnten ihren Kunden diesen Mehrwert kaum bieten, wie auch Oliver Willing, Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, betonte. In Puncto neuer gentechnischer Verfahren wie CRISPR hieße es sich eindeutig für samenfestes Saatgut aus ökologischer Zucht zu positionieren.

Der Beitrag hat Ihnen gefallen? Sie können dafür bezahlen und damit unabhängigen Journalismus fördern!
Kontoverbindung
Kontoinhaber: Jens Brehl
IBAN: DE56430609676016706401
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Brehl backt
Bank: GLS Bank
Paypal

 

Kategorie: Bio? Logisch! | Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.