Meere schützen: „Unterschätzt nicht die Macht der kleinen Schritte“

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„Selbst zehnjährige Schüler wissen, dass es unseren Ozeanen nicht gut geht“, sagte Meeresschützer Christian Weigand in seinem Vortrag. Überfischung, maritime Todeszonen, unvorstellbar viele Tonnen Plastikmüll. Die Probleme sind gewaltig und dank Wissenschaft und medialen Berichten weitgehend bekannt. „Dennoch ändern wir kaum unsere Lebensweisen.“

Seit 1950 seien die weltweiten Fischbestände um die Hälfte zurückgegangen, fünf Trillionen Plastikteile schwimmen in den Meeren. Die Fakten liegen auf dem Tisch, doch die Zahlen blieben für die meisten abstrakt. „Wenn wir Emotionen wecken, dann handeln die Menschen auch“, ist sich Weigang sicher. Mit eben diesem Ziel hält er bundesweit Vorträge. Meere zu schützen hat er zum Beruf gemacht und dafür sein Projekt „Blue Awarness“ – zu deutsch „blaues Bewusstsein“ – gegründet.

Bilder sagen mehr als Zahlen

Dem Publikum zeigte er das Foto eines toten Albatros-Kükens. Versehentlich hatten die Eltern ihren Nachwuchs mit zahlreichen Plastikteilen gefüttert, die unverdaut schließlich zum Tod geführt haben. „Das Küken ist mit vollem Magen verhungert.“ Auf einem anderen Bild schnürten Plastikringe eine Schildkröte dermaßen ein, dass sich der Körperbau anpassen musste. Der Ring selbst wird erst in 450 Jahren auflösen. Bis zu 250.000 Tonnen Müll würden alleine in Deutschland ins Meer gelangen, das meiste stammt aus privaten Haushalten – Plastiktüten, Folie und PET-Flaschen lassen grüßen. Und das Müllproblem in den Meeren ist nicht weit weg, sondern verhält sich wie ein Bumerang. Schließlich fressen auch Fische Mikroplastik, die später auf unseren Tellern landen.

Fische und Meeressäuger kennen keinen Rückwärtsgang, sondern schwimmen stets vorwärts, was fatal enden kann. In einem Video spielte ein Delfin mit einer im Meer treibenden Plastiktüte, schon bald verhedderte er sich hoffnungslos. Ein Fisch hatte sich komplett in einem Beutel verfangen und fand nicht mehr heraus. Am meisten ins Gedächtnis der Zuschauer wird sich das Video einer Meeresschildkröte eingebrannt haben, der ein Plastikstrohhalm bis zum Anschlag in der Nase steckte und mittels Zange herausgezogen werden musste. Eine minutenlange, qualvolle und blutige Angelegenheit. Keine Frage, spätestens jetzt hatte Weigand Emotionen geweckt.

Teil der Lösung werden

„Manchmal war ich auf die Politik sauer, die das Müllproblem nicht bekämpft. Oder auf Unternehmen wie Coca Cola, das weltweit die meisten PET-Flaschen produziert.“ Gerade Hersteller könnten sich damit herausreden, dass die Kunden Plastikverpackungen wollen – schließlich werden sie weltweit in Massen verkauft. „Ich erkannte, durch meinen Konsum Teil des Problems zu sein.“

Seine Wut konnte er in das Engagement für den Meeresschutz kanalisieren, doch er steckte sich Ziele, an denen er zu verzweifeln drohte. Weigang bereist weltweit Küsten. „Jeden Strand wollte ich aufräumen und vollkommen sauber hinterlassen.“ Selbst wenn das gelingt, kann die Flut am nächsten Tag neuen Müll anschwemmen. Selbst beim gesammelten Müll ist nicht gewährleistet, dass er tatsächlich umweltgerecht entsorgt wird. „Dank“ Abfall-Exporte kann er woanders wieder im Meer landen. Zudem ist auch der Sand mit kleinen Plastikteilen durchsetzt. Eine Sisyphos-Arbeit.

Helden der Meere

Auf seinen Reisen beschäftigt er sich nicht nur mit den Problemen, sondern trifft engagierte Menschen, die er Helden der Meere nennt. In Irland erklärte ihm Profi-Surfer und Meeresschützer Seamus Mc Goldrick, dass er wie die meisten Menschen in den Kategorien alles oder nichts denkt und handelt. Niemand könne und müsse alles alleine schultern, sondern jeder müsse nur einen kleinen Teil betragen. Nicht im Alleingang den ganzen Strand säubern, sondern bei jedem Besuch eine überschaubare Menge sammeln und andere motivieren, es gleich zu tun. Wer weiß, vielleicht hat Mc Goldrick Weigand vor dem Burnout bewahrt. „Unterschätzt nicht die Macht der kleinen Schritte“, riet er dem Publikum. Nicht jeder müsse um die Welt reisen, um die Meere zu schützen. Wichtiger sei, dass jeder in seinem Alltag aktiv werde.

Da nur ein geringer Anteil an Plastikmüll auch tatsächlich recycelt wird und dazu mit jedem Durchlauf eine schlechtere Qualität aufweist, sei es die Königsdisziplin Müll so weit wie möglich zu vermeiden.

Der Vortrag fand am 28.09.2019 bei Welcome In Wohnzimmer in Fulda statt. Eingeladen hatte die Heinrich Böll Stiftung Hessen.

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Kategorie: Bio? Logisch!, Regionalkiste

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