Naturschutzbeauftragter Lothar Herzig tritt zurück: „Keine Perspektive für städtischen Naturschutz in Fulda“

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Seit die Stadt Fulda den Naturschutzbeirat 1981 ins Leben rief, war Lothar Herzig dort aktiv. „In mir hat das Feuer gebrannt, mich für den Naturschutz einzusetzen.“ Beharrlich hat er sich für die Belange der Natur eingesetzt, doch die Zahl der Konflikte spitzte sich immer weiter zu. „In den vergangenen 39 Jahren hat mich der Kampf gegen die Ewiggestrigen sehr viel Zeit und Energie gekostet und ich bin nicht mehr bereit, meine Kenntnisse und Erfahrungen für den Naturschutz in der Stadt Fulda einzusetzen“, schreibt er in einer Pressemitteilung.

Lothar Herzig

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Gerade das Naherholungsgebiet Fulda-Aue als grüne Lunge biete viel Potenzial, Natur mit innerstädtischem Raum zu verbinden. Vieles bliebe ungenutzt oder würde halbherzig umgesetzt. Ein Beispiel sei die Neupflanzung der Bäume in der Bahnhofsstraße. Trotz Hinweis sind die Pflanzscheiben zu klein, so dass Niederschlag die Saugwurzeln der Platanen nicht erreicht. Unterirdische Rohre versorgen sie mit Wasser. „Die todgeweihten Platanen hängen nur am Tropf der Stadt. Die Baumkronen sind für Vögel zudem ökologisch unbedeutend.“ Die Bahnhofstraße als Entrée für Touristen des Hessentags 2021 und der Landesgartenschau 2023 signalisiere das mangelhafte Interesse der Stadt an gesunden und ökologisch wertvollen Bäumen.

Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Seinen Rücktritt begründet Herzig vor allem mit

  • dem fehlenden Bestreben der Stadt die naturschutzrechtlich geforderten Biotopvernetzungen zu realisieren. der Verschleppung der Anträge zu Schutzausweisungen für schützenswerte Landschaftsbestandteile, die Herzig fristgerecht letztes Jahr im März eingereicht hatte.
  • fehlenden und mit fachlichen Mängeln behafteten Ausgleichsmaßnahmen.
  • einer untätigen Bauaufsicht mit den daraus resultierenden vielfachen Übergriffen in der Landschaft.
  • der ökologischen Entwertung innerstädtischer Haus- und Kleingärten durch eine ausschließlich investoren- und renditefreundlichen baulichen Nachverdichtung.
  • dem mangelhaften Umsetzen von Pflege- und Gestaltungsplänen.der fehlenden Bereitschaft eine Auffangstation für verletzte Wildvögel einzurichten.
  • dem seit 35 Jahre andauernden Ablehnen einer Baumschutzverordnung.

Konflikte spitzten sich zu

Stadtbaurat Daniel Schreiner zeigte sich vom Rücktritt überrascht, „zumal man bis zuletzt in regelmäßigem Austausch mit dem Naturschutzbeauftragten gestanden habe“, schreibt dazu Fulda aktuell. Herzigs Pauschalkritik könne er nicht nachvollziehen. Gerade das innerstädtische Nachverdichten wirke einer weiteren Zersiedelung der Landschaft an den Stadträndern entgegen. „Divergierende fachliche Meinungen sind dabei legitim und erwünscht, sie müssen aber stets im richtigen Verhältnis zum eigentlichen Ziel des jeweiligen Projekts stehen“, betonte Schreiner. Gerade bei der Sanierung des Aueweihers sei es zuletzt schwierig gewesen, Kompromisse zu finden.

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Kategorie: Regionalkiste

2 Kommentare

  1. Wo Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner (FWL) da „Pauschalkritik“ ausmacht, ist mir ein Rätsel. Auf die meisten Punkte der detaillierten Kritik von Lothar Herzig geht er ja offenbar gar nicht erst ein. Schade – und traurig, dass damit viel Kompetenz in Sachen Klimaschutz und Naturschutz für die Stadt verloren geht.

      

    • Dazu gibt es eine sehr lange Vorgeschichte mit vielen Streitpunkten – wie zur Landesgartenschau 2023. Hierzu sollen die zwei Aue-Weiher zusammengelegt werden, wozu ein Rest hoch geschützter Aue-Wald weichen müsste.

      Eine Baumschutzverordnung hält man in Fulda nicht für nötig, da mehr Bäume gepflanzt, als gefällt werden. Die nächsten Fragen sind aber, wie ökologisch sinnvoll die Neupflanzungen sind, ob sie auch ordnungsgemäß gepflegt werden, ob mit Ausgleichsmaßnahmen auch verbundene Biotope mit einem erhöhten ökologischen nutzen entstehen etc.

      Es bleiben demnach noch genügend Themen, denen man nachgehen könnte …

      Leider ist der Artikel von Fulda aktuell mit der Stellungnahme der Stadt nicht online, sonst hätte ich gerne entsprechend verlinkt.

        

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