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Soziale Landwirtschaft für Mensch, Tier und Natur

Bereits zum achten Mal hatte der Antoniushof in Haimbach am vergangenen Sonntag zum Agrar-Kultur-Tag eingeladen. Hier präsentierten sich regionale Erzeuger, wobei auch die soziale Landwirtschaft im Mittelpunkt stand. „Wenn ein Liter Milch billiger ist als ein Liter Wasser, dann läuft etwas falsch“, sagte Landrat Bernd Woide. Es sei wichtig, das eigene Einkaufsverhalten zu ändern und der Landwirtschaft die Anerkennung zu geben, die sie verdiene.

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Landrat Bernd Woide (Mitte mit Mikrofon) plädierte für faire Preise.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Bei bestem Wetter strömten die Besucher auf den Antoniushof, wobei sie von Musik und allerlei Köstlichkeiten vom Kuchen bis zum Ochsen am Spieß empfangen wurden. Gerade für die regionale Landwirtschaft ist die Nähe zu den Konsumenten entscheidend. Der alle zwei Jahre stattfindende Agrar-Kultur-Tag ist eine gute Gelegenheit um den Kuhstall zu besichtigen, Schweine zu streicheln, mit Erzeugern ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig regionale Produkte zu genießen. Aber auch Vereine und Initiativen wie der Fuldaer Imkerverein [2], die Zeppelingärtner [3] und viele mehr präsentierten sich mit eigenen Ständen.

Lebhafte Diskussion über soziale Landwirtschaft und Inklusion

Auf dem Antoniushof arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Ein Teil der Mitarbeiter mit Handicap sind zudem zeitweise auf Partnerbetrieben beschäftigt. „Einige Betriebe greifen die soziale Landwirtschaft auf, um dem Druck wachsen oder weichen zu entgehen“, erklärte Peter Linz, Leiter des Antoniushofs in einer Diskussionsrunde.

diskussionsrunde [4]

Diskutierten mit den Gästen (von links nach rechts): Robert Hermanowski (FiBL), Jan-Martin Griefahn (Antoniushof), Rebecca Kleinheitz (alma) und Peter Linz (Leiter Antoniushof)
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Rebecca Kleinheitz vom Netzwerk „Arbeitsfeld Landwirtschaft mit allen“ [5] (alma) liegt der durch die Produktion von Lebensmitteln unter sozialen Aspekten geschaffene Mehrwert besonders am Herzen. Ihr war es auch wichtig, dass Mitarbeiter mit Handicap nicht in Watte gepackt werden, sondern dass man ihnen auch etwas zutraut.

Bereits seit Jahren helfen Arbeitskräfte des Antoniushofs auf dem Krofte-Hof in Großenlüder/Müs aus. Bauer Manfred Faust macht hier keinen Unterschied zwischen Mitarbeitern mit und ohne Behinderung und gab einen entscheidenden Hinweis wie er seine Arbeitskräfte motiviert. „Die Freude an der Arbeit kann nur der vermitteln, der sie auch selber lebt.“ Bevor man mit einem Partnerbetrieb kooperieren könne, sei es entscheidend, dass im Vorfeld durch persönlichen Kontakt Vertrauen auf beiden Seiten gewachsen sei, betonte Linz.

Gäste der Diskussionsrunde merkten an, dass der Antoniushof seine besten Mitarbeiter mit Handicap verlieren würde, wenn sie zeitweise oder dauerhaft bei Partnerbetrieben tätig sind. „Es schafft aber auch wieder Möglichkeiten für andere sich weiter zu entwickeln und neue Aufgaben zu übernehmen“, entgegnete Jan-Martin Griefahn vom Antoniushof.

Auf links wird gesät

Saatgut im wahrsten Sinne des Wortes in die eigenen Hände zu nehmen, konnten Besucher im Rahmen der Initiative „Zukunft säen!“ [6]. Gemeinsam brachten sie Weizen der Sorte Ataro auf einem nahe gelegenen Acker aus. Zuvor zeigte Herwart Groll wie es geht: Beim Gehen wird jeweils auf den linken Schritt weit ausgeholt und Saatgut geworfen. Auf diese Weise verteilt es sich gleichmäßig. Neben der richtigen Wurftechnik sind dafür auch drei Meter Abstand zum Nebenmann entscheidend. Die Initiative  rief Getreidezüchter Peter Kunz aus der Schweiz als Kritik an der grünen Gentechnik und als Zeichen für Saatgut als Gemeingut ins Leben. „Es gibt es große Schnittmenge zu den tegut… Saisongärten. Es ist ein schönes Erlebnis zu sähen, pflegen und ernten“, erklärte Groll seine Motivation, die Initiative bereits seit Jahren aktiv zu unterstützen.