„Superfood kann ich alles nennen“

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Ob Matcha, Quinoa, Chia, Avacoda oder Acai-Beeren: Die Botschaften der Werbung preisen ausgesuchte Lebensmittel gerne als reich an bestimmten Inhaltsstoffen und deshalb als besonders gesund an. Stichwort Superfood. Professor Dr. Marc Birringer vom Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Fulda entzauberte in seinem Vortrag den Mythos. „Letztendlich ist ‚Superfood‘ nur ein Marketing-Begriff.“ Altbekannte einheimische Lebensmittel seien oft ebenso gesund und deutlich günstiger.

Grundsätzlich sei es positiv zu bewerten, dass sich Konsumenten Gedanken über gesunde Ernährung machen und entsprechende Lebensmittel verstärkt nachfragen. Allerdings suggerieren als „Superfood“ bezeichnete Produkte besonders förderlich für die Gesundheit zu sein. Allerdings ist „Superfood“ kein geschützter Begriff mit einer festen Definition.

Der Hype um die Superfoods

Befeuert werde der Hype um die Superfoods vor allem durch die mediale Berichterstattung und soziale Netzwerke. Die Nachfrage ist entsprechend gestiegen, wobei Deutschland weltweit der zweit wichtigste Markt ist. Der Anteil am gesamten Lebensmittelumsatz ist zwar vergleichsweise gering, aber die Superfoods lassen sich mit hoher Gewinnmarge entsprechend teuer verkaufen.

Der Boom hat jedoch seine Schattenseiten. Vor drei Jahren wies Öko Test in einigen Superfoods aus ökologischem Anbau überhöhte Grenzwerte bei Pestiziden, Mineralölen und sogar Krankheitserregern nach. Betroffen waren Markenhersteller, aber auch Handelsmarken wie Alnatura und Basic. „Die massiv gestiegene Nachfrage befeuert den Anbau, dabei sind viele Böden von jahrelanger industrieller Landwirtschaft mit Pestiziden belastet. Doch niemand möchte sich das lukrative Geschäft mit den exotischen Superfoods entgehen lassen“, erklärte Birringer. Hinzu kommt der ökologische Fußabdruck, wenn Lebensmittel um den halben Globus transportiert werden, obwohl es regionale Alternativen gibt. Oft verbraucht der Anbau große Mengen Wasser oder Wälder werden gerodet. „Die Avocado ist einer dieser ökologischen Problemfälle.“

Statt Acai lieber blauer Schwede

In Brasilien ist die Acai-Beere ein ganz normales Lebensmittel, wie bei uns Kirschen. Im Zuge der WM-Berichterstattung 2014 wurde die gesunde Frucht bei uns bekannt. Heute gibt es Erfrischungsgetränken, Pulver, Müslimischungen und Kosmetik mit der „Wunderbeere“ zu kaufen. Natürlich enthält sie viele Antioxidantien, einheimische schwarze Johannis- oder Holunderbeeren aber auch. Birringers Geheimtipp ist die Kartoffelsorte blauer Schwede. Hier finden sich die wertvollen Inhaltsstoffe zwar in kleineren Mengen, aber über die Woche verteilt ist es leichter – und vor allem kostengünstiger – mehr Kartoffeln zu essen, als ständig Acai-Produkte zu konsumieren.

Birringer präsentierte darüber hinaus eine fragwürdige Studie zu Acai. Sechs Wochen lang tranken Sport treibende Probanden täglich 100 Milliliter Acaisaft. Tatsächlich sank unter anderem das „böse“ Cholesterin. „Sport alleine hat den gleichen Effekt, zudem gab es keine Kontrollgruppe. Die Studie ist wertlos.“ Für die Gesundheit sei eine ausgewogene Ernährung wichtiger, als ein einziges Lebensmittel.

Die heimischen Erzeuger von hochwertigen Lebensmitteln wie Leinsamen, rote Bete und Obst sind weitgehend nicht auf den Superfood-Hype aufgesprungen. Sie müssten oft noch lernen, die herausragenden Eigenschaften ihrer Produkte besser hervorzuheben.

Der Vortrag fand am 29. Januar im Rahmen der Nachhaltigkeitswochen an der Hochschule Fulda statt. AstA, der Fachschaftsrat der Bereiche Oecotrophologie und Sozial- und Kulturwissenschaften hatten gemeinsam mit regionalen Gruppen von Greenpeace, attac, Slow Food Youth und der Gemeinwohl Ökonomie-Bewegung die zahlreichen Veranstaltungen organisiert.

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Kategorie: Bio? Logisch!, Regionalkiste

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