Umweltzentrum Fulda: Geschäftsführer Volker Strauch verabschiedete sich in den Ruhestand

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Immer wieder Öko-Pionier

Doch nicht nur in Fulda hinterließ Strauch ökologische Fußspuren. Mitte der 1970er schloss er sich der Anti-Atomkraft-Bewegung an und nahm an Demonstrationen teil. Ein Pass bescheinigt ihm Bürger der Republik Freies Wendland zu sein. Im Frühjahr 1980 besetzten Aktivisten den Bereich einer geplanten Tiefbohrstelle, um das Atommüllendlager Gorleben zu verhindern. Es entstand eine Hüttenstadt, schließlich riefen die Aktivisten eine eigene Republik aus. Nach rund einem Monat räumte die Polizei das Gelände.

In Berlin gehörte Strauch zu den Gründungsmitgliedern der Alternativen Liste, die später mit anderen Öko-Parteien in Bündnis90/Die Grünen aufgegangen ist. „Eine fortschrittliche Politik berücksichtigt immer die Ökologie“, war ihm bereits vor über 40 Jahren klar. Seine ökologischen Interessen und Vorlieben für Architektur und das Gestalten von Lebensräumen verband er mit dem Studium der Landschaftsgestaltung. Hier gehörte er zu den ersten Jahrgängen.

So erlebt er auch, wie die Ökologie sich immer stärker in der Politik verankerte und entsprechende Verwaltungsstrukturen entstanden. Den ersten Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umwelt unterstützte er als Referendar. Von 1986 bis 1990 arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter im Umweltbundesamt. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, kündigte er seine Parteimitgliedschaft, als er nach Fulda kam.

Fünf vor Zwölf für das Umweltzentrum

Gelinde gesagt, standen Natur- und Umweltschutz nicht immer an erster Stelle der Kommunalpolitik. So drohte dem Umweltzentrum vor einigen Jahren die Insolvenz, über mehrere Jahre wurde es finanziell nahezu ausgehungert. „Wir haben damals viel Zeit und Ressourcen vergeudet, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben und konnten unseren eigentlichen Aufgaben nur eingeschränkt nachgehen. Das war sehr frustrierend.“ So war zwar der Erweiterungsbau, in dem unter anderem das Aue-Bistro untergebracht ist, fertig gestellt, aber es fehlte letztendlich das Geld für zwei Innentüren. Die konnten dank 1.500 Euro aus Lottomitteln des Landes Hessen dann doch noch angeschafft werden.

Im Gespräch möchte Strauch allerdings nicht nur die Vergangenheit beleuchten, sondern auch in die nahe Zukunft schauen. Es gelte weiterhin eine ökologisch nachhaltige Kommunalpolitik einzufordern. Dem seit letztem Jahr laufenden Dialog der Stadtverwaltung mit der lokalen Fridays for Future-Gruppe müssten bald die ersten konkreten Beschlüsse und Vorhaben entwachsen. „Der gesellschaftliche Rückhalt ist gegeben. Und auch wenn Fulda in Sachen Nachhaltigkeit bundesweit nicht einen der ersten Ränge belegt, kann man aber insgesamt eine gute Note ausstellen.“

Strauch steht im Ruhestand weiterhin als Vorsitzender des NABU-Kreisverbands und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände weiterhin im Dienste der Natur. Welche Pläne Strauchs Nachfolger Alexander Sust und Timo Heumüller verfolgen, erzählen sie in einem gesonderten Beitrag.

Hinweis zur Transparenz: Im Beitrag ist das Urban Gardening-Projekt Zeppelingärten erwähnt. Dort bin ich Mitglied.

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